Härteprüfung Brinell

Die Härteprüfung nach Brinell ist ein genormtes Verfahren zur Bestimmung der Härte metallischer Werkstoffe. Sie wird vor allem eingesetzt, wenn weiche bis mittelharte Werkstoffe, Gusswerkstoffe oder Gefüge mit größeren Unterschieden geprüft werden sollen. Der große Prüfeindruck bildet dabei eine größere Werkstofffläche ab als feinere Verfahren und kann dadurch bei inhomogenen Strukturen präzise Ergebnisse liefern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Brinell-Härteprüfung arbeitet mit einer Hartmetallkugel als Eindringkörper.
  • Der Härtewert wird aus Prüfkraft, Kugeldurchmesser und Eindruckdurchmesser berechnet.
  • Brinell eignet sich besonders für Gusswerkstoffe, NE-Metalle und weichere bis mittelharte Metalle.
  • Das Verfahren ist in der Normreihe DIN EN ISO 6506 geregelt.
  • Die optische Auswertung des Prüfeindrucks erfordert eine geeignete Oberfläche und ein zuverlässiges Messsystem.

Was ist die Brinell-Härteprüfung?

Die Brinell-Härteprüfung ist ein Eindringverfahren. Eine Hartmetallkugel wird mit definierter Prüfkraft in die Oberfläche des Werkstoffs gedrückt. Nach der Entlastung bleibt ein kugelförmiger Eindruck zurück, dessen Durchmesser optisch gemessen wird.

Das Verfahren geht auf den schwedischen Ingenieur Johan August Brinell zurück und zählt bis heute zu den etablierten Verfahren der industriellen Härteprüfung. Der Brinell-Härtewert wird als HBW angegeben. Die Abkürzung steht für Härte Brinell mit Wolframkarbidkugel.

Für welche Werkstoffe eignet sich die Härteprüfung nach Brinell?

Die Härteprüfung Brinell eignet sich besonders für Werkstoffe, bei denen ein größerer Prüfeindruck sinnvoll ist. Das ist zum Beispiel bei groben, porösen oder inhomogenen Gefügen der Fall. Die Kugel erzeugt eine vergleichsweise große Kontaktfläche und bildet dadurch eher einen mechanischen Mittelwert über die geprüfte Stelle.

Typische Werkstoffe und Anwendungen sind:

  • Gusseisen und Stahlguss
  • niedriglegierte Stähle und Baustähle
  • Aluminiumlegierungen
  • Kupfer, Messing und Bronze
  • weitere NE-Metalle
  • Sinterwerkstoffe, abhängig vom Zustand und der Prüfaufgabe
  • Werkstoffe mit grobem oder inhomogenem Gefüge

Bei sehr harten Werkstoffen, kleinen Bauteilen oder dünnen Schichten ist Brinell eher weniger geeignet. In solchen Fällen kommen häufig Vickers oder Rockwell infrage.

Wie funktioniert die Brinell-Härteprüfung?

Der Prüfablauf folgt einem klar definierten Prinzip:

  1. Eine Hartmetallkugel mit passendem Durchmesser wird ausgewählt.
  2. Die Probe wird vorbereitet und sicher positioniert.
  3. Die Kugel wird mit definierter Prüfkraft in die Oberfläche gedrückt.
  4. Die Prüfkraft wirkt für eine festgelegte Zeit ein.
  5. Nach der Entlastung bleibt ein kugelförmiger Eindruck zurück.
  6. Der Eindruckdurchmesser wird in zwei Richtungen optisch gemessen.
  7. Aus Prüfkraft, Kugeldurchmesser und mittlerem Eindruckdurchmesser wird der Brinell-Härtewert berechnet.

Die Einhaltung der Prüfkraft und der Belastungsdauer ist wichtig, weil sich insbesondere weichere Werkstoffe während der Krafteinwirkung weiter verformen können. Dadurch beeinflussen Prüfzeit, Werkstoffverhalten und Auswertung direkt das Messergebnis.

Video: Animation Funktionsprinzip nach Brinell

Was bedeutet eine Angabe wie 246 HBW 10/3000?

Brinell-Härtewerte müssen vollständig angegeben werden, damit das Ergebnis nachvollziehbar bleibt. Eine typische Angabe lautet: 246 HBW 10/3000

Die Aufschlüsselung dieser Angabe:

  • 246 ist der ermittelte Härtewert.
  • HBW steht für Härte Brinell mit Wolframkarbidkugel.
  • 10 bezeichnet den Kugeldurchmesser in Millimetern.
  • 3000 bezeichnet die Prüfkraft in kgf.

Bei längerer Belastungsdauer wird die Dauer zusätzlich angegeben, zum Beispiel: 246 HBW 10/3000/60 Die letzte Zahl steht in diesem Fall für eine Belastungsdauer von 60 Sekunden.

Kugeldurchmesser, Prüfkraft und Belastungsgrad

Kugeldurchmesser und Prüfkraft müssen zum Werkstoff passen. Bei der Brinell-Härteprüfung wird dafür der Belastungsgrad berücksichtigt. Er beschreibt das Verhältnis von Prüfkraft zu Kugeldurchmesser.

Eine zu hohe Prüfkraft kann dazu führen, dass der Eindruck zu tief wird und nicht mehr sinnvoll ausgewertet werden kann. Eine zu geringe Prüfkraft kann dagegen einen zu kleinen oder schlecht messbaren Eindruck erzeugen.

Belastungsgrad Typische Anwendung Beispiel
HBW 30 Stahl, Stahlguss, Gusseisen HBW 10/3000
HBW 10 Aluminiumlegierungen, Kupferlegierungen, NE-Metalle HBW 10/1000
HBW 5 weichere Metalle und ausgewählte NE-Werkstoffe HBW 10/500
HBW 2,5 oder niedriger sehr weiche Werkstoffe, abhängig von Norm und Prüfaufgabe HBW 10/250

Besonderheiten bei der optischen Auswertung

Die Brinell-Härteprüfung erzeugt größere Prüfeindrücke als viele andere Härteprüfverfahren. Das ist bei inhomogenen Werkstoffen ein Vorteil, kann die optische Auswertung aber anspruchsvoller machen.

Besonders bei weichen Werkstoffen kann es zu deutlicher Materialverdrängung kommen. Am Rand des Eindrucks entsteht dann ein Wulst oder kraterförmiger Übergang. Je nach Beleuchtung und Oberflächenzustand kann die Grenze des Eindrucks unterschiedlich erkennbar sein.

Moderne Brinell-Härteprüfgeräte arbeiten deshalb mit optischen Messsystemen, Kameras und Bildauswertung. Eine passende Beleuchtung und eine geeignete Probenoberfläche sind notwendig, damit der Eindruckdurchmesser zuverlässig bestimmt werden kann.

Brinell Eindruck mit hoher Materialverdrängung
Brinell Eindruck mit hoher Materialverdrängung

Vorteile und Grenzen der Brinell-Härteprüfung

Vorteile Grenzen
Gut geeignet für grobe und inhomogene Gefüge Nicht ideal für sehr harte Werkstoffe
Aussagekräftig bei Gusswerkstoffen und vielen NE-Metallen Erfordert eine ausreichend große Prüffläche
Genormtes und etabliertes Verfahren Oberfläche muss für die optische Messung geeignet sein
Größerer Eindruck bildet eher einen Mittelwert über die geprüfte Stelle Auswertung kann bei starker Materialverdrängung anspruchsvoll sein

Normen für die Härteprüfung Brinell

Die Härteprüfung nach Brinell ist in der Normreihe DIN EN ISO 6506 geregelt. Für die praktische Anwendung sind vor allem diese Bereiche relevant:

  • DIN EN ISO 6506-1 beschreibt das Prüfverfahren.
  • DIN EN ISO 6506-2 behandelt die Überprüfung und Kalibrierung der Prüfmaschinen.
  • DIN EN ISO 6506-3 betrifft die Kalibrierung von Härtevergleichsplatten.
  • DIN EN ISO 6506-4 enthält Tabellen zur Bestimmung der Brinell-Härtewerte.
  • ASTM E10 ist für Brinell-Prüfungen nach amerikanischem Normenumfeld relevant.

Die Norm legt unter anderem Prüfkörper, Prüfkraft, Prüfablauf, Auswertung und Ergebnisangabe fest. Für vergleichbare Ergebnisse sollten Sie die geforderte Norm deshalb vor der Prüfung eindeutig klären!

Häufige Fehler bei der Brinell-Härteprüfung

Fehler bei der Härteprüfung nach Brinell entstehen häufig durch eine unpassende Kombination aus Werkstoff, Prüfkraft, Kugeldurchmesser und Auswertung. Typische Fehlerquellen sind:

  • falscher Kugeldurchmesser
  • ungeeignete Prüfkraft
  • zu kleine oder unebene Prüffläche
  • unzureichende Oberflächenvorbereitung
  • ungeeignete Beleuchtung bei der optischen Messung
  • zu geringer Abstand zu Kanten oder anderen Prüfeindrücken
  • unvollständige Ergebnisangabe
  • direkte Gleichsetzung mit Härtewerten aus anderen Verfahren

Welche Brinell-Härteprüfgeräte gibt es?

Für die Brinell-Härteprüfung stehen unterschiedliche Gerätekonzepte zur Verfügung. Die Auswahl richtet sich nach Prüfaufgabe, Bauteilgröße, Prüfkraftbereich, Automatisierungsgrad und gewünschter Dokumentation.

Mögliche Gerätearten sind:

  • stationäre Brinell-Härteprüfer
  • Universalhärteprüfer mit Brinell-Funktion
  • automatische Brinell-Härteprüfmaschinen
  • Härteprüfsysteme mit Kamera und Bildauswertung
  • Sonderlösungen für große, schwere oder schwer zugängliche Bauteile

Bei regelmäßigem Prüfaufkommen sind automatische Messsysteme sinnvoll, weil sie den Prüfeindruck erfassen, auswerten und dokumentieren können. Bei wechselnden Werkstoffen oder mehreren Verfahren kann ein Universalhärteprüfer eine geeignete Lösung sein.

Wann ist Brinell das richtige Verfahren?

Anwendung Brinell geeignet?
Gusswerkstoffe Ja, häufig sehr geeignet
Grobe oder inhomogene Gefüge Ja
Weiche bis mittelharte Metalle Ja
Sehr harte Werkstoffe Eher nicht
Kleine Bauteile oder dünne Schichten Meist nicht
Härteverläufe Eher Vickers
Schnelle Serienprüfung ohne optische Messung Eher Rockwell
Wolfram Schütz
Autor

Wolfram Schütz

Wolfram Schütz verfügt über langjährige Erfahrung in der Werkstoffprüfung und Materialprüftechnik. Er beschäftigt sich intensiv mit Prüfverfahren, Normen und der praktischen Anwendung moderner Prüfmaschinen in Industrie und Forschung.

Häufige Fragen zur Härteprüfung nach Brinell

Was ist die Härteprüfung nach Brinell?

Die Brinell-Härteprüfung ist ein genormtes Härteprüfverfahren, bei dem eine Hartmetallkugel mit definierter Prüfkraft in den Werkstoff gedrückt wird. Anschließend wird der Durchmesser des bleibenden Eindrucks optisch gemessen.

Für welche Werkstoffe eignet sich Brinell?

Brinell eignet sich besonders für weichere bis mittelharte Metalle, Gusswerkstoffe, NE-Metalle und Werkstoffe mit grobem oder inhomogenem Gefüge.

Was bedeutet HBW?

HBW steht für Härte Brinell mit Wolframkarbidkugel. Diese Angabe kennzeichnet die heute übliche Brinell-Prüfung mit einer Hartmetallkugel aus Wolframkarbid.

Was bedeutet 246 HBW 10/3000?

246 ist der Härtewert. HBW bezeichnet das Brinell-Verfahren mit Wolframkarbidkugel. 10 steht für den Kugeldurchmesser in Millimetern und 3000 für die Prüfkraft in kgf.

Welche Norm gilt für die Brinell-Härteprüfung?

Die Brinell-Härteprüfung ist in der Normreihe DIN EN ISO 6506 geregelt. Für amerikanische Anforderungen ist ASTM E10 relevant.

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